Die Feldherrschaftler

Den Verein Feldherrschaft e. V. kann man im Grunde als eine Ansammlung ehemaliger Provinzler in anhaltender Feierlaune bezeichnen. Die meisten kennen sich noch von Sandkästen, Schulhöfen, feuchtfröhlichen Feierlichkeiten und haben gemeinsam die eine oder andere aufmüpfige Wachstumsphase durchlebt. Oft wurde ausgiebig in märkischen Jugendclubs geschwooft, natürlich alles selbst organisiert und nicht selten unter erschwerten Bedingungen – etwa durch drohende Repressalien haarloser Stiefelträger.

Und auch später, als es die Meute nach Berlin, Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und sonst wohin verstreut hatte, kamen wir doch beizeiten zusammen, um diverse Soirees – sei es im hermetisch abgeschirmten Raum oder aber draußen am Grill – zu veranstalten. Zuerst wurde einmal im Jahr eine Weihnachtsjam in der Uckermark gebastelt, es folgten die schönen UNKUL-Sommerfeste im Berliner Klanggarten und dann die berüchtigten Halloweenpartys – anfangs noch in einer Altbauwohnung in Pankow, später in einer düsteren Lagerhalle in Lichtenberg.

Und weil uns langsam dämmerte, wie angenehm es sein kann, sich zusammenzurotten und kollektiv das Saurauslassen zu planen, entstand die Idee, ein kleines feines Festival zu bauen: Seither findet immer im August das FiG (Feldherrschaft in Grünz) statt, und zwar im Mecklenburger Landkreis Uecker-Randow, unweit von Brandenburg, Berlin und Polen entfernt. Angefangen hat alles ganz klassisch mit einem See, einem Kasten Bier und Musik unter freiem Himmel. Das Schwadronieren am Lagerfeuer – seit Generationen ein beliebter Zeitvertreib für betütert Hinz und Kunz – hielt die damals noch kleine Rotte Feldherrschaftler dazu an, auch andere Gleichgesinnte an der Freiluftkultur teilhaben zu lassen. Obendrein gefiel uns die Idee, das Naturbürsch- bzw. -mädchen in jedem von uns wiederzubeleben. Schließlich sind wir mittlerweile ausnahmslos Großstädter und sollten hin und wieder gründlich gelüftet werden. Dabei haben alle Feldherrschaftler – seien es Studierte oder Bauernschlaue, Hedonisten oder Politikusse – ein Ziel gemein: Raus aus der Stadt – weg vom Bildschirm – rauf auf den Acker!

Ein freier Blick, viel Platz und jede Menge Holz vor der Hütte regen ja bekanntlich die Fantasie an. Und so kam es wie es kommen musste: Aus Luftschlössern wurden handfeste Pläne und eh man sich‘s versah, hatte man auch schon den Strohhut auf dem Kopf und den Hammer in der Hand. Von Experimentalkulinarik über Bühnenbau bis hin zur Zeltschneiderei – „Selbst ist der Mensch“ lautet die Devise. Dank unseres großzügigen Gönners dürfen wir nun jedes Jahr seinen Acker besud... ähm besiedeln und mit unseren Freunden und Freundesfreunden in den Sonnenaufgang tanzen.

Und, Kinder, wie die Zeit vergeht! Seit 2004 reißen wir mittlerweile schon die Feldherrschaft an uns, mal klein und fein, mal im großen Stil. Jahr für Jahr leuchten alte und neue Feldstars am Firmament auf, gibt es Erfrischung für innen (Bier) und außen (See), 1-a-Beköstigung, Ackergames und allerlei Schabernack.

Unser Credo ist die kulturelle (R)Evolution aus dem Nichts, das heißt: philosophieren, organisieren, konstruieren, dekorieren >> AMÜSIEREN! Ob handfestes Handwerk oder fachchinesische Fachsimpelei, jeder Feldherrschaftler leistet seinen Beitrag und mittlerweile hat auch der Letzte kapiert, wie viel Anstrengung in der ganzen Feierei steckt. Aber auch für uns heißt es: Erst die Arbeit, dann aber ma rischtisch das Vergnügen!